Sourceconomy auf dem BME-Thementag “IT-Einkauf” am 29.06.2012

Der BME lädt am 29.Juni 2012 zum

Thementag “IT-Einkauf”

nach Frankfurt ein. Unter dem Motto “Ausschreibung optimieren – IT Provider managen – Kosten senken” referieren u.a. die Kollegen von Commerzbank, DB Systel AG, Johnson Controls, Fraunhofer Institut für Materialfluß und Logistik.

Vorsitz und fachliche Leitung: Till Hahndorf, Sourceconomy GmbH - u.a. auch mit einem Vortrag:

“Auf Augenhöhe mit dem Rest der Welt – Mut zum globalen IT-Services-Einkauf”

  • Was bedeutet diese sogenannte “Globalisierung” eigentlich hier bei uns?
  • Welche Chancen ergeben sich daraus für den EInkauf von IT-Dienstleistungen? Wo liegen die Risiken?
  • Der IT-Einkäufer im globalen Wettbewerb: Prozesserfüller oder Wertschöpfer?
  • Checkliste Nearshore-Einkauf

Welche Chancen sehen Sie in der Globalisierung (des IT-Einkaufs)? Hier ist die Gelegenheit, das Thema intensiv mit den Experten verschiedener Branchen zu diskutieren. Anmeldung über anmeldung@bme.de oder per Email an till.hahndorf@sourceconomy.com

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“Nie mehr Offshore Outsourcing?” – Was der IT-Einkauf aus der Offshore-Welle gelernt hat

Die deutsche IT-Branche hatte die letzte Wirtschaftskrise 2008 größtenteils unbeschadet überstanden – ein paar Budgets waren wohl eingefroren und für ein paar Monate war man nicht mehr ganz so gut gelaunt in der Beauftragung. Im Großen und Ganzen jedoch ist die IT glimpflich davon gekommen. Umso erstaunlicher der Effekt nach der Krise: Warum startete die Branche nicht so zügig durch wie man es erwartet hätte? August-Wilhelm Scheer, der Präsident des BITKOM, hat es auf den Punkt gebracht: Die IT-Branche ist direkt vom Auftragsstau in den Fachkräftemangel gerutscht – es sind schlicht und einfach nicht genug Entwickler und Experten vorhanden, um die eigentlich durchaus vorhandene Arbeit zu erledigen! Laut BITKOM nennen auch heute noch rund zwei Drittel der deutschen IT-Unternehmen den Fachkräftemangel als Wachstumsbremse.

Es handelt sich dabei – das hat insbesondere die Zeit NACH dem Krisenjahr 2008 gezeigt – um ein strukturelles Problem des deutschen Arbeitsmarktes, und nicht etwa „nur“ um eine Frage der Konjunktur. Das bedeutet: Auch in der Krise waren die Kapazitäten zu gering – aber erst beim Wiederaufschwung haben wir dann die Konsequenz des Fachkräftemangels schmerzhaft zu spüren bekommen!
Ruhig Blut, sagen die Regierungsverantwortlichen, und tun eigentlich das Richtige: Sie modernisieren die Zuwanderungsregeln für hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland, und sie reformieren das Bildungssystem, um unsere Schüler, Studenten und Fachkräfte besser auf die Herausforderungen einer globalisierten Wirtschaft vorzubereiten. Hilft das dem deutschen Unternehmer, der heute unter dem strukturellen Fachkräftemangel leidet? Ja – aber leider nur langfristig. Gibt es kurzfristig wirksame Alternative? Ja – und diese zu nutzen, ist längst von einer Optimierungs- zu einer Überlebensstrategie geworden. Es geht darum, Fachkräfte im Ausland effizient in die eigene Wertschöpfung einzugliedern. Und zwar dergestalt, dass am Ende eine schlanke, effiziente und profitable Wertschöpfung entsteht – und so eine globale Wettbewerbsfähigkeit für den IT-Standort Deutschland.

Auf dem Weg zu einer solchen Einbindung liegen nicht nur die fachlichen Herausforderungen (wie sie jeder externen Vergabe innewohnen) sondern auch noch zusätzliche Hürden: Meist gibt es eine gewisse Sprachbarriere, die Zeitverschiebung erschwert das operative Miteinander und die kulturelle Distanz ist vielleicht schwieriger zu überwinden, als man es sich zunächst vorstellte. Durch eine Orientierung nach Osteuropa – und nicht mehr ins ferne Asien – sind zumindest die beiden letztgenannten jedoch gut in den Griff zu bekommen. An Englisch als globaler Amtssprache in der IT führt tatsächlich kein Weg vorbei – gleichwohl sind überall in Osteuropa durchaus auch deutschsprachige Ressourcen zu finden.

Neben diesen operativen Aspekten stehen die fachlichen Kriterien: Ist ein IT- Dienstleister auf Augenhöhe zu finden, der die anstehende Kundenbeziehung ernst nimmt – aber nicht sein gesamtes Geschäft darauf ausrichten muss? Ist er fachlich kompetent und kann solide Referenzen aus relevanten Branchen vorlegen? Wie weit entfernt ist er vom Auftraggeber – sowohl was die geografische Lage angeht, als auch die Prozessorientierung, den Reifegrad des Unternehmens, die Atmosphäre auf den Gängen und in den Büros? Passen die Unternehmenskulturen zueinander?

Dem IT-Einkauf wird zunehmend die Rolle zuteil, den Fachabteilungen den richtigen Mix aus Dienstleistern zur Verfügung zu stellen. Dabei spielt heute die Einbindung internationaler Anbieter gerade im Bereich der IT-Services über die ganze Wertschöpfungskette (Design, Entwicklung, Programmierung, Testing, Rollout, Wartung, Support) eine wichtige Rolle – nur so kann wettbewerbsfähig kalkuliert werden. Die Mischkalkulation aus eigenen und fremden, inländischen und globalen Kapazitäten gehört heute selbstverständlich zum Repertoire des Einkäufers von IT-Services. Die Fachabteilung verlässt sich darauf, dass dieser Mix zur Verfügung gestellt wird – insofern hat Global Sourcing Züge von Infrastruktur bekommen – und wird als selbstverständlich vorausgesetzt, ohne dass sich auf Abnehmerseite (also: in der Fachabteilung) jemand mit den Details des globalen Dienstleistungseinkaufs auseinandersetzen müsste.

Das dabei heute eher nach Osteuropa geschaut wird als nach Asien, ist der in Osteuropa florierenden Softwareszene geschuldet – wer sich intensiv mit der IT-Dienstleistungsbeschaffung in Osteuropa beschäftigt, wird in fast allen Bereichen kompetente und seriöse Anbieter finden, die in anderthalb Stunden Flug erreichbar sind und annähernd in derselben Zeitzone wie der deutsche Auftraggeber arbeiten.
Die generelle Diskussion in der globalen Beauftragung verlagert sich dabei immer weiter weg von reinen Einsparungszielen – billig ist „out“, das haben die Einkäufer aus der Offshorewelle zu Beginn des Jahrtausends gelernt. Ein kompetenter Partner liefert mehr als nur billige Lohnprogrammierer – er kann auf Augenhöhe mit gestalten und seine ganze Erfahrung aus Dutzenden von Projekten in den verschiedensten Konstellationen mit einbringen – frischen Wind also, der ohne die Verbindung zu Dienstleistern in den globalen Software-Destinationen wohl ganz am Standort Deutschland vorbeiwehen würde.

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Es geht wieder los

Es geht nach der Sommerpause wieder mächtig los, u.a. mit der IT&BUSINESS in Stuttgart am 20.-22.9.2011 und der DMEXCO in Köln in der selben Woche. Auf beiden Messen werde ich je einen Tag zu finden sein und freue mich bereits auf gute Gespräche, alte Bekannte, neue Gesichter!

Vorwarnung: 27.10.2011 Best-Practice Tagung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach. Siehe http://www.sourceconomy.com/index.php/best-practice-tagung-2011.

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Sehen statt glauben: Warum es sich lohnt, auf Zertifikate zu verzichten

Mein Auto schmückt auf dem hinteren Nummernschild die Plakette einer amtlich anerkannten Prüforganisation. Sie wurde dem Auto vorletztes Jahr nach einer Untersuchung zugeteilt, in der die Erfüllung einiger gesetzlicher Vorgaben überprüft wurde. So habe ich ein gutes Gefühl beim Verkehren, und alle anderen können sich darauf verlassen, daß mein Fahrzeug einem gewissen Standard entspricht.

Auch für die Software-Branche klingt das ja zunächst mal ganz vernünftig: Ein Unternehmen lässt sich von neutraler, dritter Stelle bescheinigen, daß sauber gearbeitet wird. So muß ich das als potentieller Kunde nicht erst selber herausfinden und erspare mir so vielleicht ein paar unangenehme Erlebnisse. Es steckt ein bißchen Wahrheit darin – aber auch viel heiße Luft.

In der IT-Welt gibt es außerordentlich viele Zertifizierungen, Standards und Guidelines. Beachtung in der Global Sourcing Branche findet vor allem der sogenannte ”CMM-Level”(eigentlich CMMI), der u.a. vom amerikanischen Verteidigungsministerium und dem Software Engineering Institute der Carnegie-Mellon Universität entwickelt wurde. Dieser soll ein Zeugnis für den Reifegrad der Unternehmensprozesse hinsichtlich bestimmter Kriterien sein.

In den allermeisten Fällen werden Zertifikate von authorisierten Institutionen vergeben, die zu diesem Zweck eine Analyse der betrieblichen Abläufe vornehmen. Das Unternehmen bereitet sich monatelang mit einem dedizierten Team auf den Audit vor. In mehreren Iterationsschritten wird optimiert, ausgebessert, dokumentiert und präsentiert. Die Auditoren vergeben am Ende eines langwierigen und kostenintensiven Prozesses dann das erhoffte Zertifikat, es gibt eine kleine Feierstunde mit dem ganzen Team, … und dann?

Von den außerordentlich komplexen Details (Das offizielle Dokument der Analyseschritte hat 573 Seiten, es stehen solche Sätze darin wie “A performed process is a process that accomplishes the work necessary to produce work products.”) des Audit-Prozesses einmal abgesehen, lautet die entscheidende Frage doch: Welche Auswirkungen hat das Vorhandensein eines solchen Zertifikates auf das ganz konkret anstehende Kundenprojekt?

Die Antwort lautet: Es hat keine Auswirkungen – zumindest nicht die erhofften. Der Vertrieb des zertifizierten Unternehmens kann seine Hochglanzpräsentationen zwar hinfort mit dem schicken CMMI-Logo schmücken. Irgendwie entsteht so der Eindruck, daß das ganze Unternehmen eine gewisse “Qualität” hat und “sauber und ordentlich” arbeitet. Eigentlich besagt das Zertifikat jedoch etwas anders: Das Unternehmen hat in der Vergangenheit einmal gezeigt, daß in einer besonderen Beobachtungssituation die Durchführung eines Projektes anhand der abgeprüften Standards stattgefunden hat.

Der Schluß, daß auch in Zukunft jedes Projekt so durchgeführt wird, ist arg weit hergeholt. Wir alle kennen die Rostlauben auf den Straßen, die mit einer gültigen Plakette auf dem Nummernschild herumfahren, man sich aber ernsthaft fragt, wie es denn zu dieser Zuteilung kam. (Und wieviele Iterationsschritte wohl nötig waren, um sie zu erlangen). Wenn’s wegen einer defekten Bremsleitung knallt, nützt Ihnen die Plakette jornüscht – Sie haften für Mängel an ihrem Fahrzeug. Wenn dann noch jemand anders geschädigt wurde… gute Nacht. Ebenso bei der Softwareentwicklung: Wenn Ihr Projekt aus dem Etat läuft, minderwertige Qualität produziert oder der Zeitplan überzogen wurde, nützt es Ihnen nichts, daß der Lieferant zertifiziert ist. Ein Reinfall mit Gütesiegel ist eben auch nicht billiger als ohne.

Es stellt sich eher folgender Effekt ein: Ein Anbieter, der es über die Zertifizierungshürde geschafft hat, muss die damit verbundenen erheblichen Kosten (meist mehrere erfahrene Mitarbeiter, die über Monate in der Vorbereitung der Zertifizierung gebunden waren!) irgendwie wieder hereinholen – dies geschieht unweigerlich durch einen Aufschlag auf die Preise.

Die Zertifizierung selbst ist eine Industrie mit immensen Umsätzen und großem Interesse daran, auch in Zukunft Labels, Zertifikate, Gütesiegel und Ähnliches gegen Geld, viel Geld, zu vergeben. Die Gewinner der Zertifizierung sind also in erster Linie die Zertifizierer. Es folgen die Unternehmen, die jetzt mit dem Siegel werben können und – zugegeben – eine gewisse Motivation erlangen, sich mit ihren eigenen Prozessen wenigstens einmal strukturiert auseinanderzusetzen. Ganz am Schluß, wenn überhaupt, die Kunden dieser Unternehmen.

Es entspricht der Cover-Your-A**-Mentalität vieler Manager, durch die Auswahl eines zertifizierten Anbieters Kritik am Auswahlverfahren zu vermeiden. Den Vorwurf, man habe bei der Vergabe nicht objektiv oder sorgfältig genug hingesehen, hofft man u.a. durch Verweis auf offizielle Gütesiegel entkräften zu können. In Zeiten von Schmiergeldaffären und Vetterleswirtschaft sicher nachvollziehbar – aber im Ergebnis nicht gut. Genau hinzusehen bedeutet aber vor allem: Sich kompetent beraten lassen, die richtigen Fragen stellen, den Vergleich mit anderen Anbietern und anderen Projekten anstellen, aussagekräftige Test- und Pilotprojekte aufsetzen und sich einen fundierten und persönlichen Eindruck vom potentiellen Partner verschaffen. Sie merken schon, worauf das hinausläuft – man müsste eben jemanden finden, der sich mit sowas auskennt.

Nächste Woche hat mein Auto wieder mal Termin bei einer amtlich anerkannten Prüforganisation. Ich habe die gröbsten Roststellen übergetüncht, das Auto ausgesaugt und bin durch die Waschanlage gefahren. Hoffentlich klappt’s.

Dieser Beitrag erschien so ähnlich bereits im Juli 2007 im Global Sourcing Blog. Stimmt aber immer noch!
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Tata versucht es erneut im deutschen Markt: Warum das gut so ist – und warum sie bei uns dennoch scheitern werden.

Tata Consultancy Services (TCS) plant, die Belegschaft in Deutschland in den nächsten Jahren von derzeit rund 500 auf 2.000 Mitarbeiter auszubauen. Mit erheblichem Aufwand in Vertrieb und Marketing soll der traditionell verschlossene deutsche Markt geknackt werden. Dazu hatten sich die Inder bereits 2006 mit Ron Sommer einen Kenner des deutschen IT-Konzernmarktes in den Aufsichtsrat geholt. Damals musste der Angriff aber abgeblasen werden – die Krise kam dazwischen. Nun aber soll es flott voran gehen, mittlerweile existieren in DACH bereits zehn Niederlassungen.

Warum ist das gut?

TCS wir das Phänomen Fernvergabe neu beleben: Wenn ein millionenschwerer Marketing- und Vertriebsetat ausgegeben wird, bleibt das nicht ohne Auswirkungen auf die gesamte Branche. Die Themen Kostenbewußtsein, Flexibilität, Kapazität werden neu auf die Agenda gesetzt – in einer Phase, in der CIOs und Entwicklungsleiter realisieren, dass der Projektstau aus der vergangenen Krise nun wegen Fachkräftemangel nicht schnell genug abgearbeitet werden kann. Der Vorstoß von TCS wird uns alle beschleunigen und ein paar eingefahrene Strukturen aufbrechen. IT-Budgets werden angesichts des globalen Wettbewerbs neu vergeben: Ein Mix aus lokalen, regionalen und globalen Kapazitäten wird das Rennen machen. Das ist gut für die hiesige IT-Branche, die aus der Auftraggeberposition heraus und mit einer wachsenden Wirtschaft im Rücken die globalen Angebote in ihre Wertschöpfung einbauen kann.

Warum wird TCS (zunächst) wieder scheitern?

Die Export-Erfolgsgeschichte von TCS begann in den siebziger Jahren, als die ersten Aufträge für US-amerikanische Auftraggeber erfüllt wurden. Die enge Orientierung am angelsächsischen Raum ist seither tragendes Element jedes indischen Anbieters von IT-Services. Es ist allerdings bisher kaum einem indischen Anbietern gelungen, sich dem europäischen Markt tatsächlich zuzuwenden und diesen mit eigenen, geeigneten Herangehensweisen zu beackern. Mit der größten Demokratie der Welt im Rücken und einer milliardenschweren Erfolgsgeschichte im amerikanischen Markt erschliessen sich vielleicht noch nicht wirklich die Feinheiten der kleinzelligen europäischen Wirtschaftsgeografie, ganz abgesehen von der Verschiedenheit der Auffassungen dies- und jenseits des Atlantiks. Schon der Umgang mit Fragen des Datenschutzes zeigt (obwohl zugegeben ein vielbemühtes Beispiel) deutlich auf, dass ohne eine differenzierte und informierte Herangehensweise hier kein Auftrag zu gewinnen ist. Solange der Gigant aus Asien versucht, in Europa mit amerikanischen Vertriebsmethoden Fuß zu fassen, wir er keinen wirklichen Durchbruch erleben. Die Tatsache, daß der Milliardenkonzern auch nach all den Jahren noch keine vollständige Webseite auf Deutsch im Netz bereitstellt, spricht Bände.

Sobald TCS allerdings beginnt, auch im hiesigen Mittelstand tatsächlich attraktive Angebote und schlüssige Gesamtkonzepte für eine Vergabe nach Fernost vorzulegen, wird sich der Umgang mit Offshore Oustourcing nach Asien ändern. Bis dahin dauert es aber noch. Und letztes Mal kam ja auch etwas dazwischen.

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Der McDonalds-Effekt: Warum angeblich niemand mit Offshore-Anbietern arbeitet

Sie können einem schon leid tun: Ronald-McDonald, Regenwaldsponsoring, Kinderhilfswerk, DFB-Fussballeskorte, regionale Landwirtschaft, Fair-geht-vor, Rita Süssmuth und so weiter: Das absatzfördernde Gesellschaftsengagement der amerikanischen Bullettenbräter ist enorm. Und doch sind sie hierzulande vor allem eines: McDoof. Die “goldenen Bögen” stehen für Pommes, Plastiktabletts und Prekariat – dort kann man nicht essen gehen. So lautet jedenfalls eine weitverbreiteter Standpunkt – und mit den einmal eingenommenen Standpunkten ist es ja so eine Sache.

Warum scheuen viele deutsche Mittelständler vor der Beauftragung ausländischer IT-Dienstleisters zurück? Obwohl die Kapazitäten so knapp sind, der Fachkräftemangel so groß? Obwohl die Tagessätze für Freelance-Entwickler hier gerne mal vierstellig sind, die IT-Budgets aber immer straffer kalkuliert werden? Warum herrscht solche Skepsis gegenüber “Offshore”?

Für Manche lautet die Antwort: Aus Erfahrung. Als vor 10 oder 12 Jahren die ersten Projekte mit asiatischen Anbietern abgearbeitet wurden, steckte die Branche noch in den Kinderschuhen. Viele Fehler wurden das erste Mal gemacht – das war für Manchen eine teure Erfahrung. Die Gewerkschaften behaupteten steif und fest, dass die Offshorevergabe hier im Inland Arbeitsplätze vernichtet (das ist Quatsch, wie sich längst herausgestellt hat). Und da wurden Misserfolge natürlich genüsslich und in allen Details beleuchtet: Wie viel das eine Projekt nun zusätzlich gekostet hat, wie gering die Einsparungen beim anderen Projekt ausgefallen sind, was für eine schlechte Idee die Vergabe an die Ausländer doch generell ist! Von der hundertfachen Zahl von Kooperationen, die absolut zuverlässig und zufriedenstellend verlaufen sind, spricht kein Mensch – das sind keine interessanten Meldungen. Viele wollen auch einfach keinen Wind darum machen – ein bisschen wie bei McDonalds, da geht ja angeblich auch kaum jemand essen.

Eine gewisse Unbeweglichkeit mit dem Offshore-IT-Thema herrscht manchmal aber auch nur deshalb, weil lange nicht mehr hingeguckt wurde, weil wir alle einfach viel zu tief im Operativen stecken, weil wir zu wenig Zeit haben um überhaupt darüber nachzudenken, wie wir uns mit unserer Softwareentwicklung besser aufstellen können.

Dabei kann es ganz erfrischend sein, sich den aktuellen Stand der Dinge anzusehen: Inzwischen ist in Osteuropa ein naheliegender Beschaffungsmarkt für IT-Services entstanden – die Anbieter dort haben sehr genau studiert, welche Erfolgsfaktoren für eine Arbeit mit westeuropäischen Unternehmen entscheidend sind: Exakt Fristeneinhaltung, gnadenlose Qualitätssicherung, peinlich genaue Ausführung, ständige Leistungsmessung. Das klingt doch schon ganz anders als Indien anno 2001. Durchaus wert, sich mal wieder zu informieren und vielleicht ein kleines Testprojekt zu starten.

Übrigens: McDonalds hat mit viel Mühe und erheblichem finanziellem Aufwand inzwischen den Image-Turnaround geschafft: Heute gibt es in den “McCafés” ein Dutzend Salat- und Obstvariationen, schicke Tische, Ledermöbel und Wifi. Alles ganz schön hip, der McDonalds von heute hat mit dem vor 10 Jahren nur noch wenig zu tun.  Ich meine: Von Ich Liebe Es™ keine Rede, aber: Hingehen und ausprobieren ist allemal drin.

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Nearshoring 2.0: Der wilde Osten?

Unter dem Titel “Nearshoring 2.0: Es lockt der wilde Osten” berichtet die Netzwoche in der Schweiz in ihrer aktuellen Ausgabe: Der Nearshoremarkt brummt. In den Nachbarländern dies und jenseits der EU-Außengrenzen steht ein günstiges Angebot bereit, dass die IT-Abteilungen hier im hochpreisigen deutschsprachigen Raum rege nutzen. Das Modell “Teamsourcing” verspricht Entwicklungsteams am Nearshore-Standort zur eigenen, exklusiven Verfügung. Dafür liegt die Verantwortung für Ein- und Auslastung komplett beim Kunden. Beim Zugriff “on the fly” geht es flexibler zu – dafür aber auch zu etwas höheren Sätzen. Oftmals starten Kooperationen mit dem flexiblen Modell um später mit fest gebuchten Kapazitäten fortgesetzt zu werden. Welche Vorgehensweise passt für Ihre Entwicklermannschaft?

Der baden-württembergische Ministerpräsident Mappus legt via McKinsey eine Studie vor, die neben den üblichen Feststellungen zur Leistungs(un-)fähigkeit unseres Arbeitsmarktes auch Lösungsvorschläge zur Eindämmung des Fachkräftemangels macht:

  • Qualifizierte Frauen mobilisieren – v.a. durch bessere Betreuungsangebote für Kinder
  • Zahl der Studienabbrecher in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern reduzieren
  • Das Potenzial der hier lebenden Ausländer nutzen – u.a. durch Hilfe bei Spracherwerb und Ausbildung

Das ist sicher alles gut und richtig. Wer aber mit seinen IT-Projekten auf das Greifen dieser Maßnahmen nicht warten kann, mobilisiert das Potenzial der Kollegen im Ausland, indem er seine Anforderungen an zuverlässige Partner eben dort übergibt. Sich diesem Modell aus Prinzip zu verschließen, heißt sich auf die Landesregierung, die Familienpolitik und die Bildungsreform zu verlassen. Das ist unter dem Aspekt der unternehmerischen Verantwortung (u. a. für die eigenen Mitarbeiter!) schlicht und einfach fahrlässig.

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Joghurtkultur!

So titelt die Financial Times Deutschland in ihrer aktuellen Beilage “enable“: Die Molkerei Zott wird beleuchtet, und wie sie aus der Abhängigkeit von Ihren Lieferanten eine Kultur der Hege und Pflege entwickelt hat, nachdem die Verhandlungen vor einigen Jahren einmal etwas eskalierten und es in der Folge zu bäuerlichen Fackelzügen und blockierten Werkstoren kam. Die Devise heisst heute: Die Beziehungen pflegen, nicht den letzten Cent aus der Milch herausholen. Der Bericht ist jedenfalls interessant zu lesen, wirft aber die Frage auf, ob hier nicht Kunde und Lieferant in austauschbaren Rollenbeschreibungen agieren: Man könnte durchaus auch die Molkerei als Lieferanten (nämlich von Logistikleistungen) sehen und die Bauern als Kunden, die diese Leistung zukaufen, um ihr eigentliches Produkt abzusetzen. Wie dem auch sei: Supplier Relationship Management ist das Stichwort und (Achtung! Bogenschlag!) bereits im Februar 2008 stand in diesem Blog:  “Eine wettbewerbliche Differenzierung in der IT findet zunehmend auf der Erstellungsseite statt, nicht auf der Vermarktungsseite. Da ist nämlich eine gewisse „Sättigung“ eingetreten, die attraktiven Optimierungspotenziale liegen in heute der Produktion und Beschaffung.” Stimmt immer noch. Wer seine Erstellung und Beschaffung in der IT mit intelligenten Prozessen und kompetenten Partnern erledigt, mischt ganz vorne mit. Und wer dabei noch angenehme Beziehungen zu diesen Partnern pflegt, hat dabei auch noch Freude.

Vorletzte Woche Kurzbesuch in Belgrad, Serbien, um ein Kundenprojekt zu starten: Eine im internationalen Vergleich kleine, aber feine IT-Szene, die lokale Java User Group macht von sich reden, alles in allem wohl eine Destination, von der wir noch viel hören werden. Unsere serbische Partnerfirma hatte für unseren Kunden ein Team zusammengestellt, wir waren gemeinsam zum Auftaktworkshop angereist, inzwischen läuft das Entwicklungsprojekt. Wir berichten weiter.

Einsatz im Schwarzwald: Ein echter mittelständischer “Hidden Champion” aus dem Schwarzwald hatte zu einem mehrtägigen internen Workshop mal einen Exoten dazugeholt: Der Herr Hahndorf von Sourceconomy berichtete aus der Welt des internationalen IT-Services-Einkaufs. Der hat von der Diskussion um den Einkauf von IT und Nicht-IT und von den Teilnehmern viel gelernt und sich über die Gelegenheit zum Beitrag sehr gefreut.

Und die Rückschau auf das BME-Forum “IT-Einkauf” in Frankfurt einige Tage zuvor: Gute Veranstaltung! Endlich mal nicht nur die übliche Einkäufer-Litanei von den noch-raffinierteren-Konditionen und den noch-besser-durchsetzbaren-Verträgen und den immer-heftigeren-Pönalen, sondern eine thematische Breite, die selten genug auf Einkaufs-Veranstaltungen wahrzunehmen ist: Augenmaß im Einkauf. Einfühlungsvermögen für das Umfeld des Lieferanten. Das Miteinander gestalten. Einkauf als Beziehungsmanagement.

Joghurtkultur eben!

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Social Media und Global IT Sourcing

Und schon wieder eine Veranstaltung zu Social Media, diesmal beim medien forum freiburg, unter dem Titel “Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter und Xing für mittelständische Unternehmen und B2B Märkte” – natürlich ausgebucht, wie immer zu diesem Thema in diesen Monaten. Schön zu sehen, dass dieses spannende Thema jetzt endlich auch hier angekommen ist. Was hat das mit Global IT Sourcing zu tun? Ganz einfach: Social Media Marketing hat für IT-Dienstleister vor allem “beschaffungsseitig”, also im Personalrecruiting einen hohen Stellenwert. In den attraktiven IT-Destinationen Osteuropas und Asiens kämpfen die Unternehmen seit jeher um die besten Entwickler – für diese fließt bei der Wahl des zukünftigen Arbeitgebers zunehmend auch dessen Auftritt in den Social Media ein. Für talentierte und gut ausgebildete Entwickler hat die Wahrnehmung ihres Arbeitgebers in der IT-Community vor Ort einen hohen Stellenwert. Dabei geht es nicht darum, als Unternehmen besonders “hip” zu wirken, sondern durch einen stringenten Auftritt bei Facebook und Co. ein überzeugendes Gesamtbild als modernes IT-Unternehmen abzugeben. Und ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter sich auf Facebook zeigen, sich austauschen und sich mit ihrem Laden gerne identifizieren, hat wohl einiges richtig gemacht. Beginnt diese Öffnung für Soziale Netzwerke online jetzt auch bei uns? Hoffen wir es!

Noch eine ausgebuchte Veranstaltung: Der BME lädt am 19./20. Mai 2010 zu seinem jährlichen Forum “IT-Einkauf” nach Frankfurt. Wie bereits im vergangenen Jahr steht der erste Tag unter dem Vorsitz und der fachlichen Leitung von Till Hahndorf, Geschäftsführer Sourceconomy GmbH. Sein Eröffnungsvortrag: “Die IT-Globalisierung wird erwachsen: Global Sourcing 2.0“. Die gesamte Veranstaltung ist ausverkauft – wer im Nachgang an einer Zusammenfassung interessiert ist, melde sich bei Till Hahndorf (till.hahndorf@sourceconomy.com) oder –> hier.

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Veranstaltung beim Marketingclub am 26.04.2010

Ein Veranstaltungshinweis und eine Erkenntnis:

Der Freiburger Marketingclub veranstaltet einen “Offenen Stammtisch” (das ist sowas wie ein “Stammtisch” aber man darf auch kommen wenn man gar nicht dazugehört oder so ähnlich. Also wohl eigentlich nur ein “Tisch”. Jedenfalls sehr hip.) zum Thema “Inbound Marketing – Google, Blogs, Social Media”. Referenten sind zwei Praktiker aus der Region: Florian Städtler (der hat eine ziemlich coole Eventagentur) und Till Hahndorf (der schreibt hier gerade). Anmelden! Bei 30 Teilnehmern wird die Liste geschlossen!

Und auch gleich die Erkenntnis: Bei dem Thema wird das schnell voll, mutmaßen wir. Das war vor ein paar Jahren auch bei einem anderen Thema so: Global IT Sourcing, das damals noch “Offshoring” hieß und irgendwie auch noch nicht so ausgereift war wie heute. Man musste damals nur mal beiläufig erwähnen, dass man Programmierer im Ausland an der Hand hatte und schon steckten einem Geschäftsführer und CTOs diskret ihre Kärtchen zu und nuschelten etwas von einem Informationsgespräch in kleinem Kreis, welches man bitte bald führen wolle. Zum Glück sind wir aus dieser Phase raus. Heute ist es eher peinlich, wenn man immer noch die abgedroschenen Phrasen von den bösen Offshorern drischt - und uralte Geschichten von einem schiefgegangenen Projekt vor x Jahren auspackt. Globale Auftragsvergabe hat sich etabliert und ist Routine geworden. Hohe Qualität lässt sich zu günstigen Preisen buchen. Fragen Sie doch mal bei uns nach.

Denn wie bei den Social Media gilt auch für die IT-Globalisierung: Scheuklappen runter, informieren, ausprobieren! Und: Nicht alles selber neu erfinden wollen – Beraten lassen!

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